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James Horner - Ein Nachruf





Ein Mann komponiert eine legendäre Filmmusik, in der ein unsinkbares Schiff untergeht. Knapp zwanzig Jahre später kommt er selbst durch ein Flugzeugunglück ums Leben. James Horner hat 1997 mit Titanic den Höhepunkt seiner Karriere erlebt. Er schrieb damals einen der erfolgreichsten und bekanntesten Soundtrack aller Zeiten. Zwei Oscars waren der Lohn.

James Horner war selten unumstritten. Sein Name wurde regelmäßig im Zusammenhang mit Plagiatsvorwürfen aller Art genannt. Man bemängelte die regelmäßige Wiederholung bestimmter musikalischer Phrasen in seinen Werken. Man warf ihm Einfallslosigkeit vor.

Unbestritten ist jedoch sein massiver Einfluss auf die Filmmusik, insbesondere des späten 20. Jahrhunderts. Er komponierte für fast jedes Genre, arbeitete mit zahlreichen Regisseuren zusammen. Insbesondere im Bereich Abenteuer, Science Fiction und Fantasy sind aus seiner Feder einige der bekanntesten Melodien der Filmmusikgeschichte geflossen. Der Zorn des Khan, Aliens, Willow, Legenden der Leidenschaft und Braveheart sind nur einige Beispiele. Unter Horner-Liebhabern finden sich aber natürlich auch einige eher unbekanntere Edelsteine wie beispielsweise The Rocketeer oder The Spitfire Grill.

James Horner schrieb Filmmusik, die immer wieder auch über den Film hinaus im Gedächtnis blieb. Viele Menschen können seine Melodien recht klar bestimmten Filmen zuordnen. Titanic ist da nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs.
Persönlich möchte ich sagen, dass ich tatsächlich etwas unter Schock stehe. James Horner war einer der Helden meiner Jugend. Ich hörte viele seiner Alben mit großer Freude. Seine Melodien und insbesondere die harmonischen Feinheiten trafen mich teilweise bis tief ins Mark. Die Hornpassage, als William Wallace in der Schlacht von Falkirk verraten wird, die Flötenmelodie, als Jack im Ozean verschwindet, die Eröffnung von A beautiful mind. Immer wieder drückte seine Musik für mich eine tiefe Sehnsucht nach dem Guten in der Welt aus. Immer wieder die Frage nach der Hoffnung.

In den letzten Jahren war Horner nicht mehr wirklich gefragt in Hollywood. Er komponierte deutlich seltener für das Medium Film. An manchen Stellen konnte man das Gefühl haben, dass sein Stern bereits im Untergehen begriffen war. Es schien, als ob im heutigen Hollywood andere Klänge verlangt wurden. James Horner war kein Freund der Überkompression. Seine Aufnahmen zeichnten sich in der Regel durch eine große dynamische Breite aus. Auch hielt sich in den meisten seiner Werke der Einfluss elektronischer Elemente in Grenzen. In Zeiten der Remote-Control-Dominanz durch Hans Zimmer & Co ist für klassische Orchestration kaum mehr Platz. Mögen Komponisten wie Alexandre Desplat (insbesondere in Arthaus-Filmen) oder John Williams (durch die engen Freundschaften zu Steven Spielberg und George Lucas) noch Nieschen finden, die es ihnen ermöglichen, klassische Filmmusik zu schreiben, James Horner war dies nicht vergönnt.

Ich muss gestehen, dass mein erster Gedanke, als ich von seinem Tod hörte, war, dass er Suizid begangen haben musste. Die Wertschätzung seiner Arbeit war seit der Jahrtausendwende nicht mehr die gleiche gewesen wie davor, was für ihn nicht leicht gewesen sein kann. Es stirbt mit James Horner in jedem Fall ein Mann, dessen Musik mich jahrelang begleitet hat. Und mir wurde die Endlichkeit unseres Daseins auf dieser Erde einmal mehr bewusst. Im Grunde genommen ging mir der Tod eines Menschen des öffentlichen Lebens noch nie so nahe, eben da mit seinen Melodien für mich zahlreiche schöne wie schmerzliche Erinnerungen verbunden sind.

Trotz seines tragischen Tods sehe ich sein Leben als eine Erfolgsgeschichte. Denn wer kann schon behaupten, einen so großen Einfluss auf die Gefühlswelt zahlloser Menschen auf der ganzen Welt gehabt zu haben? Irgendwann geht eben jedes Schiff unter - auch wenn man sich bei dem ein oder anderen wünscht, es hätte dem Wind noch etwas länger standgehalten. Nun ist es die Aufgabe der Hinterbliebenen das "Herz des Ozeans" irgendwann loszulassen und nicht ewig der Vergangenheit nachzutrauern...



Re-Score - Ein Projekt von Christian Lampert


Trailer zum Crowdfunding für Re-Score


Vor einigen Tagen erhielt ich eine Nachricht von Christian Lampert, der sich das Ziel gesetzt hat, Filmmusik neu zu bearbeiten. Er fragte mich, ob ich etwas darüber in diesem Blog schreiben könnte. Normalerweise schreibe ich ja doch eher ausschließlich Betrachtungen und Neuigkeiten zu Filmen aus Hollywood. Nachdem ich mir den Trailer angesehen hatte, befand ich insbesondere die Bearbeitungen zu Jaws, Terminator und Superman als sehr gelungen, während mir die ruhigen Titel aus Braveheart und Forrest Gump nicht so sehr zusagten. Als ich dies Christian so mitteilte, antwortete er mir, dass Jaws tatsächlich bisher das einzige Stück sei, welches er schon komplett ausgearbeitet hatte und alles andere eher noch Skizzen seien. Ich denke deshalb, dass in diesem Projekt wirklich viel Potenzial steckt, und erwähne es nun hier auf diesem Blog.

Christian hat für Re-Score ein Crowdfunding ins Leben gerufen, welches ihr unter diesem Link findet: Re-Score - a tribute to film score.
Er steht für Fragen zur Verfügung und antwortete mir in jedem Fall sehr prompt. Auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht er immer wieder neue Videos, die mit dem Projekt in Verbindung stehen, und die somit eine gute Transparenz des Prozesses ermöglichen. Wer gern die Abfolge der Lieder im Trailer wissen möchte, kann mich anschreiben, oder Christian direkt.

Ich wünsche dem Projekt in jedem Fall viel Erfolg.



Überarbeitete Texte von Harry Potter, The ides of march und The dark knight rises


Film und Musik soll einer kompletten Überarbeitung unterzogen werden. Ich werde in nächster Zeit alle Filmmusik-Betrachtungen noch einmal überarbeiten und teilweise nachrecherchieren. Angefangen habe ich mit den Filmen Harry Potter und die Heiligtümer des Todes I (Alexandre Desplat), The ides of march (Alexandre Desplat) und The dark knight rises (Hans Zimmer). Bei The dark knight rises dürfte wohl mein Analyse-Video weiterhin am interessantesten sein. Ich wünsche viel Freude und freue mich weiterhin darüber, wenn mir inhaltliche Fehler aufgezeigt werden.


Hier das Analyse-Video zum Direkt-Anschauen:





Neues Video: Soundtrack-Vergleich - James Bond vs The Avengers




Hier ein neues Filmmusik-Analyse-Video. Mir sind gewisse Parallelen zwischen dem James Bond-Theme von John Barry und dem Hauptthema aus The Avengers von Alan Silvestri aufgefallen. Mich persönlich haben diese Parallelen sehr überrascht. Sagt mir, wie ihr das empfindet; könnt ihr mit meinen Gedanken mitgehen?



The Amazing Spiderman 2 - Rise of Electro (Hans Zimmer)


Höre und kaufe die Musik zu The Amazing Spiderman 2 hier

Trailer zu The Amazing Spiderman 2 - Rise of Electro


The Amazing Spiderman 2 - Rise of Electro ist in den deutschen Kinos angekommen. Wie schon in Teil 1 übernahm Marc Webb die Regie und Andrew Garfield, der spätestens seit The Social Network auf einer Welle des Erfolgs schwimmt, die Hauptrolle. Der Film hat einiges an Bösewichtspotenzial zu bieten, denn Spiderman bekommt es diesmal gleich mit zwei Halunken zu tun: Neben Electro findet sich der Green Goblin in die Runde ein. Filmmusikalisch wurde für Teil 2 Hans Zimmer engagiert, was in Anbetracht der umfangreichen Erfahrung, die Zimmer im Bereich des Superheldenfranchise in den letzten Jahren erworben hat, nicht überraschend erscheint.


Hans Zimmer and The Magnificent Six

Nachdem Hans Zimmer in den vergangenen Jahren vor allem im Bereich der DC-Comic-Verfilmungen mitwirkte (Dark-Knight-Trilogie und Man of Steel), greift er nun auch aktiv ins Marvel-Universum ein. Zu diesem Anlass gründete er zusammen mit Marc Webb die Gruppe Hans Zimmer and The Magnificent Six. Zu den Magnificent Six zählen Marc Webb selbst, Pharrell Williams, Johnny Marr, Michael Einziger und Dave Stewart. Einmal abgesehen von Marc Webb haben alle Künstler bereits mit Zimmer an verschiedenen musikalischen Projekten zusammengearbeitet. Dabei dürfte Williams als dreimaliger Grammy-Gewinner neben Zimmer das Gesicht der Gruppe darstellen.


Drei Charaktere, drei Motive

Sowohl Spiderman, Electro, als auch der Green Goblin erhielten eigene Motive für diesen Film. Die Grenze zwischen klassischer Filmmusik und Populärmusik ist dabei sehr fließend. Gerade das Spiderman-Motiv hat das Potenzial zu einem Hit. Es ist nicht unbedingt eindrucksvoller als das Horner-Motiv aus Teil 1, aber eingängiger und aufgrund seines repetitiven Charakters leichter nachvollziehbar. Insbesondere die erste und letzte Szene, in denen Spiderman durch die Gegend fliegt sind überaus eindrucksvoll musikalisch untermalt (Tracks "I'm Spiderman" und "You're that Spider Guy").
Die wirklichen Juwelen des Soundtracks stellen allerdings die musikalischen Beschreibungen der Bösewichte dar. Auf dem Limited-Album sind die Suites des Electro, wie auch des Green Goblin (vormals Harry Osborn), die absoluten Highlights.
"Harry's Suite" ist dabei das vielleicht klassischste Stück des gesamten Soundtracks. Die hohen Solo-Streicher als Beschreibung seiner Verzweiflung, aber auch seiner Hinterhältigkeit sind eine gute Wahl. Teilweise klingen sie nahe am Miauen einer Katze, was hinterfragen lässt, ob Prokofjew mit der Klarinette wirklich richtig lag. Interessanterweise setzte Zimmer schon für Selina Kyle in The dark knight rises ähnliche Klänge ein.
"The Electro Suite" ist alles in allem ab einem bestimmten Punkt in erster Linie eine Klangkollage. Zu finden ist ein Klarinettenmotiv, welches vor allem mit Max Dillon, der Electro vorher war, assoziiert ist, ein geflüsterter Text, der die versteckten Gedanken von Max wiedergeben soll, eine repetitive E-Gitarrenmelodie und ein unglaublich volles Dreiton-Bass-Krach-Bumm-Motiv. Diese Suite dürfte für die meisten Menschen als ein eindeutiger Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen der Ohren gelten. Aber im Grunde genommen beschreibt der Track Electro unglaublich treffend. Sogar seine Persönlichkeitsentwicklung wird in ihm berücksichtigt. Vor allem aber zeigt sie, was man mit einem guten Konzept erreichen kann.
Interessant sind noch die Passagen, in denen Gwen und Peter gemeinsam auftreten. Es findet sich dafür ebenfalls ein kleines Motiv, welches wohl in erster Linie auf Williams zurückgeht. Dieses wird hauptsächlich durch ein Klavier gespielt und von Streichern untermalt. In seiner Eingängigkeit bleibt es allerdings weit hinter den anderen Motiven zurück.


Hans Zimmer at his best

Aufgrund der Tatsache, dass der Soundtrack auf mehrere Künstler zurückgeht und nicht wirklich klar ist, wer den Hauptanteil geleistet hat, scheint eine Nominierung für den Oscar eher unwahrscheinlich. Trotzdem ist anzunehmen, dass Zimmer wohl das ganze Ensemble zusammengehalten hat und daher in erster Linie auch er gewürdigt werden sollte. Wenn man sich die drei Superhelden-Welten, in denen er sich bisher bewegt hat, anschaut, dann kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass all die elektronischen Experimente in der Dark-Knight-Trilogie und Man of Steel, die die Filmmusikwelt so gespalten haben, sich in The Amazing Spider-Man 2 endgültig auszahlen. Dass der ausgewachsene Electro eine elektronische Motivsammlung erhält, ist absolut sinnvoll und muss wohl auch von ausgeprägten Remote-Control-Gegnern anerkannt werden (interessant hierbei: Max wird mit der Klarinette beschrieben, was eine sehr menschliche Komponente mit sich bringt, während Electro wirklich kaum noch durch natürliche Instrumente begleitet wird). Es scheint ein bisschen so als hätte Electro nur auf Hans Zimmers Herangehensweise an moderne Filmmusik gewartet.
Dennoch soll am Ende noch einmal gesagt werden, dass der Soundtrack insgesamt sehr nah an einem Pop-Album mit (teilweise) klassischen Instrumenten ist. Wer Filmmusik á la John Williams, James Horner oder Ennio Morricone liebt und alles andere nicht wirklich gelten lassen kann, sollte vielleicht doch eher die Finger von dem Album, wie vom modernen Zimmer allgemein, lassen. Sieht man sich nicht in dieser Gruppe, so kann The Amazing Spider-Man 2 als ein gutes Beispiel dafür vorangehen, was ein gutes Konzept und eine Prise Innovation alles hervorbringen kann.



Moet & Chandon Grand Scores 2014




Moet & Chandon hat etwas gewagt. Die weltberühmte Champagnermarke befand es für wichtig, ein Event ins Leben zu rufen, welches sich ausschließlich mit dem Thema Filmmusik beschäftigt: Grand Scores. Im Herzen von Berlin, auf der Brunnenstraße, wurde es nun erstmalig abgehalten. Zahlreiche, vor allem nationale Stars, waren anwesend.


Filmmusik und ihre Anerkennung in der Öffentlichkeit

Warum nun kann man dieses Unternehmen als gewagt bezeichnen? Filmmusik ist und bleibt eine stiefmütterlich behandelte Kunst. Es gab zwei große Filmkomponisten auf den Moet & Chandon zu bewundern: Klaus Doldinger und Patrick Doyle. Bei deren Vorstellung auf der Bühne war allerdings der Gesprächspegel im Saal so laut, dass selbst die Moderatorin etwas irritiert schien. Doldinger konnte sich einen ironischen Kommentar nicht verkneifen und bedankte sich für die Aufmerksamkeit, von der er wusste, dass sie größtenteils nicht vorhanden war. Die Reaktion des Publikums zeigt, wie weit weg vom kollektiven Bewusstsein das Medium Filmmusik immer noch ist.
Den Veranstaltern kann man dabei eigentlich keinen Vorwurf machen, denn das zusammengestellte Programm war absolut sehens- und hörenswert. Das Filmorchester Babelsberg spielte ein Medley aus 100 Jahren Filmmusik, der Filmchor Berlin sang in einem Flashmob "I will follow him" aus Sister Act und Klaus Doldinger gab mit seiner Band Das Boot und Tatort zum Besten. Die Location war gut gewählt und das Essen hervorragend.


Meine ganz persönlichen Erlebnisse

Trotz des offensichtlichen Desinteresses vieler Besucher am Medium Filmmusik habe ich für meinen Teil den Abend sehr genossen. Nachdem Doyle vorgestellt wurde, bin ich auf die Suche nach ihm gegangen. Ich war darauf vorbereitet, mich an eine Schlange von Interessierten anzustellen, um ein paar Worte mit ihm wechseln zu können. Stattdessen fand ich ihn allein in der Ecke stehend mit seinem Champagnerglas in der Hand. Dies ist irgendwie schon etwas traurig, wenn man bedenkt, dass dieser Abend der Filmmusik gewidmet sein sollte und Doyle unter allen Anwesenden wohl einer der international erfolgreichsten Künstler gewesen sein dürfte. Aber gut für mich. So hatte ich die Möglichkeit völlig ungestört mit ihm reden zu können. Ich fragte ihn, wie es sich für ihn angefühlt hatte, nach John Williams die Harry-Potter-Serie zu übernehmen. Ich sagte ihm, dass ich seine Eröffnung für die Beste aller Potter-Filme hielt. Ich sprach mit ihm kurz über derzeitige Projekte. Mir antwortete ein sehr schüchterner Mensch, der knapp und wunderbar bescheiden daherkam.
Mit Doldinger wollte ich noch einige kurze Worte wechseln und ihm zumindest sagen, wie sehr mich sein Soundtrack zu Die unendliche Geschichte als Jugendlicher bewegt hat, allerdings konnte ich ihn nicht mehr finden, bevor ich meinen Weg zurück nach Kiel antrat. Aber schon allein das Gespräch mit Doyle war die lange Fahrt wert und ich freue mich auf nächstes Jahr, so die Veranstaltung wieder stattfindet und ich eine Einladung bekommen sollte...

Diana (David Holmes, Keefus Ciancia) - Filmmusik-Rezension


Trailer zu Diana


Oliver Hirschbiegels (Das Experiment, Der Untergang) neuer Film ist seit Donnerstag in den deutschen Kinos zu sehen und wird überwiegend mit negativen Kritiken bedacht. Zu hoch scheint die Erwartungshaltung, zu übermächtig das vorfreudige Kopfkino der Besucher. Für die Filmmusik zeichneten sich David Holmes und Keefus Ciancia verantwortlich.


Holmes und Keefus - eine Überraschung

Mitte letzten Jahres meldeten verschiedene Filmmusikmagazine, Rachel Portman würde die Musik für Diana komponieren. Viele Fans der Komponistin konnten diese Wahl scheinbar recht gut nachvollziehen und waren voller Vorfreude. Nun stehen auf dem Soundtrack-Cover die Namen David Holmes und Keefus Ciancia. Der Grund dafür ist nicht wirklich ersichtlich. Es finden sich im Internet keine nennenswerten Angaben zur Veränderung der Personalie. Weder von Holmes und Ciancia, noch von Portman ist eine Stellungnahme zu entdecken. Hier bleiben also nur Mutmaßungen.
David Holmes ist nun kein ganz unbeschriebenes Blatt in der Filmmusik-Welt, immerhin schrieb er die Scores für die Oceans-Trilogie. Keefus Ciancia dagegen dürfte den wenigsten Filmmusik-Liebhabern ein Begriff sein. Es gibt keinen großen Hollywood-Film, für den er die Musik allein geschrieben hätte. Seine Beteiligung an bekannten Soundtracks ist dennoch durchaus vorhanden, allerdings eher im Bereich Produktion und Performance. So produzierte er beispielsweise die Musik zu Ali, oder spielte die Keyboards in Die Tribute von Panem.


Ein motivloser Soundtrack

Was haben Holmes und Ciancia nun in Diana auf die Beine gestellt? In allererster Linie fällt auf, dass es nur eine motivische Wiederholung auf dem Album zu finden gibt. Und zwar in den Tracks "Caught in Flight" und "Gone". Man darf mich an dieser Stelle gern korrigieren, aber ich habe wirklich nur diese eine Parallele gefunden; trotz mehrmaligem Hörens. Man kann in Diana schon noch viele andere Motive wahrnehmen, zum Beispiel ein abwärtsführendes zu Beginn von "Culture of Duty" oder weitere Klaviermelodien in "Lonely Souls" beziehungsweise "The Kiss", aber sie sind sehr dezent gehalten. Vom Grunde her scheint Hirschbiegel den Komponisten strengstens verboten zu haben, die Musik zu vordergründig werden zu lassen. Dazu passt der Fakt, dass weite Teile des Albums so klingen, als hätte man einen leichten Tiefpassfilter darübergelegt, um die Hintergründigkeit zu verstärken.


Was hält diesen Soundtrack nun zusammen?

Da es kaum klare Motive in Diana gibt, stellt sich die Frage, wodurch die Continuity in diesem Film von musikalischer Seite aus erreicht wird. Erst einmal kann man sagen, dass von zwei/drei Tracks abgesehen alle Stücke in einer Stimmung bleiben. Man wird beim Hören des Soundtracks nicht von irgendwelchen schrillen Stimmungswechseln aus dem Hörerlebnis geholt. Was ebenfalls sehr konstant bleibt, ist die Instrumentation, dabei insbesondere das Klavier. Dieses wurde mit verschiedenen Effekten belegt, darunter wahrscheinlich Chorus- und Echofiltern. Dies bleibt über den gesamten Soundtrack hinweg weitestgehend konstant.


Für wen ist dieser Soundtrack zu empfehlen?

Im Prinzip kann man sagen, dass Menschen, die gern Zeit in Stille verbringen, durchaus ihren Gefallen an Diana finden können. Die Melodien sind sehr dezent gehalten, weisen aber dennoch einen angenehmen Grad an Emotionalität auf. Wenn man einfach nur nachdenken oder zur Ruhe kommen möchte, eignet sich die Musik ziemlich gut. Wenn man außergewöhnliche musikalische Phrasen erwartet, so dürfte man dagegen enttäuscht werden. Diana ist also wahrscheinlich Geschmackssache.



"All Is Lost" gewinnt den Golden Globe für die beste Filmmusik




Der Außenseiter hat gewonnen: All Is Lost von Alex Ebert holt den Golden Globe in der Kategorie "Beste Filmmusik" des Jahres 2014. Es ist der erste komplette Soundtrack des 35-jährigen Komponisten. Es gibt schlechtere Einstiege.
Zurück blieben John Williams (Die Bücherdiebin), Hans Zimmer (12 Years A Slave), Steve Price (Gravity) und Alex Heffes (Mandela - der lange Weg zur Freiheit). Dass John Williams gewinnen würde, war unwahrscheinlich - zu viele bessere Werke hat er in seiner Karriere geschrieben. Hans Zimmer ist und bleibt Geschmackssache. Vom Gefühl her war wohl Steve Price mit Gravity der Favorit, da sowohl der Film als auch die Musik sehr gute Kritiken erhielten. Dass nun Alex Ebert die Auszeichnung erhielt, ist überraschend aber nicht unverdient, wenn man sich sein Werk genauer anhört, denn langweilig und uninspiriert ist anders. Bleibt abzuwarten, inwiefern diese Entscheidung Auswirkungen auf die anstehenden Oscars hat und ob man vielleicht hieraus schon eine gewisse Tendenz ablesen kann.



Videoanalyse zu Alien (Jerry Goldsmith)


Der Artikel zu Alien (Jerry Goldsmith) hat eine Erweiterung erfahren. Ihr findet jetzt dort im unteren Bereich ein neues Analyse-Video von mir. Weitere Analysen mit Videozusatz gibt es bisher für die folgenden Filme: Braveheart (James Horner), Jurassic Park (John Williams), Das Piano (Michael Nyman), Schindlers Liste (John Williams) und The dark knight rises (Hans Zimmer).

Viel Freude

Und wenn ihr etwas ergänzen oder anmerken wollt, nutzt einfach die Kommentarfunktion.



Philomena (Alexandre Desplat) - Filmmusik-Vorschau


Höre und kaufe den Soundtrack zu Philomena hier


Trailer zu Philomena


04.01.2014

Alexandre Desplat vertont wieder einen "kleinen" Film. Diesmal handelt es sich um Philomena, welcher die Geschichte einer pensionierten Krankenschwester (Philomena Lee, gespielt von Judi Dench) und eines ehemaligen BBC-Reporters (Martin Sixsmith, gespielt von Steve Coogan) erzählt, die gemeinsam auf die Suche nach einer verwirrten Vergangenheit gehen. Der Film beruht auf dem Roman "The lost child of Philomena Lee" von Martin Sixsmith. Regie führte Stephen Frears, welcher zuvor mit The Queen auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Die Filmmusik zu Philomena ist in Deutschland bereits erhältlich, obwohl der Film hierzulande erst Ende Februar in die Kinos kommen wird. Desplat hält die Musik so klein und dezent wie möglich. Neben aller ernster Wahrheit, die in der Geschichte zu finden zu sein scheint, legt der Trailer jedoch nahe, dass es sich auch um eine Komödie handelt. Dementsprechend leicht kommen die Melodien auch daher. Bei ersten Hinhören erscheint der Soundtrack wie eine Mischung aus The kings speech und Moonrise Kingdom. Da neben den humoristischen Elementen der Handlung auch schwerwiegende Themen behandelt werden, erscheint dies durchaus schlüssig. In jedem Fall präsentiert Desplat mit Philomena wieder einmal eine Filmmusik, die vor allem von ihrer thematischen Vielfalt und deren Variationen lebt, was einen wunderbaren Gegenpol zu dem sounddesign-lastigen Vorgehen anderer Filmkomponisten bildet.

Vorschau: Die Bücherdiebin ("The book thief" - John Williams) - Filmmusik


Trailer zu Die Bücherdiebin

Am 13.02.2014 ist es soweit: Die Bücherdiebin kommt in die deutschen Kinos. Mit Brian Percival (Downton Abbey) als Regisseur und John Williams als Komponist wird sich der Film auf den Weg machen, eine weitere Geschichte über das dritte Reich zu erzählen. Als Grundlage dient der gleichnamige und sehr erfolgreiche Roman des deutsch-australischen Schriftstellers Markus Zusak, der gleichzeitig das Drehbuch schrieb.

Williams selbst beschreibt Die Bücherdiebin als groß und klein zugleich. Klein wohl in Hinsicht auf die Ambitionen und das Budget, groß in Bezug auf die Moral und die Menschlichkeit, die er ausdrücken soll. Die deutsche Wikipedia fasst ihn vorab sehr kurz zusammen:
"Die neunjährige Liesel Memminger lebt zur Zeit des Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkriegs im Hitlerdeutschland bei ihren Adoptiveltern. Sie liest die von ihr gestohlenen Bücher und flieht so vor der grausamen Realität in eine bessere Scheinwelt voller Magie."

John Williams' Musik ist in den Vereinigten Staaten bereits erschienen und so kann man sie bereits beispielsweise über Amazon.com bestellen. In Deutschland muss man sich noch eine Weile gedulden, wenn man keinen Export möchte.
Ich habe bereits in einige Tracks hineingehört und empfinde eine enge Verwandtschaft des Scores zu früheren Williams-Werken, wie Seite an Seite (engl.: Stepmom) oder Die Asche meiner Mutter (engl.: Angelas Ashes). Wer also die emotionalen Werke von Williams aus den späten 90ern mochte, dürfte mit Die Bücherdiebin recht glücklich werden. Aber man wird sehen...


Zum Abschluss gibt es hier noch ein Interview mit John Williams zum Film.



Der Hobbit - Smaugs Einöde (Howard Shore) - Filmmusik-Kurzrezension


Höre und kaufe den Soundtrack zu Der Hobbit - Smaugs Einöde hier

Trailer zu Der Hobbit - Smaugs Einöde

Der Hobbit ist in der zweiten Runde. Und mit von der Partie ist wieder Howard Shore.


Was gibt es Neues in Mittelerde?
Nun, da sind einige Themen und Motive. Die englische Wikipedia erwähnt acht an der Zahl (Link zu Wikipedia). Smaug bekam eines, die Waldelben, die Seestadt. Auch Legolas und Tauriel gingen nicht leer aus. Die Waldelben, laut Aussage von Beorn etwas dümmer und unberechenbarer als ihre Geschwister aus dem Süden, kommen insgesamt noch bedrohlicher daher als Galadriel zu Lothlorien.

Was hört der Laie, wenn er im Kino sitzt?
Nun, er sollte mitbekommen, dass da Musik im Hintergrund spielt. Dass er den Film verlässt und einen Ohrwurm hat, dürfte eher selten vorkommen. Wie schon in Der Hobbit - Teil 1, geizt Shore in Smaugs Einöde mit memorablen Melodien. Der Herr der Ringe ist vielleicht sogar wie ein Fluch für des Komponistens zukünftiges Schaffen. John Williams konnte nach Schindlers Liste noch so gute melancholische Musik schreiben (Die Asche meiner Mutter, Sieben Jahre in Tibet, Amistadt...), dem Vergleich mit Spielbergs Drittreichs-Epos war kein Entkommen. Und in diesem Stil muss auch Shore sich immer wieder am Herr der Ringe messen lassen. Und hinter diesem hinkt die Musik zur Hobbit-Trilogie bisher weiter hinterher.

Warum sollte man sich nun den Soundtrack kaufen?
Weil, trotz der Qualitätsmängel immer noch klar wird, dass man in Mittelerde ist. Weil man sich wieder wunderbar in diese Welt einhören kann. Die Kompostionstechnik, der Stil, die Instrumentationen bleiben dieselben wie seit Anbeginn von Peter Jacksons Welt. Die Seestadt ist vielleicht ein bisschen irritierend, denn mit Fischern hatte man in dem Franchise bis dato noch nicht so viel zu tun. Aber auch daran gewöhnt man sich.
Also: Als Laie reicht vielleicht die Standard Edition der Filmmusik zu Der Hobbit - Smaugs Einöde, als Fan sollte es aber wohl schon die Extended Collectors Version sein.

Es ist der 23.12. und Weihnachten steht vor der Tür. Ich werde mir jetzt noch etwas Tauriel einflößen und dann in den Schlaf entschwinden. Ich wünsche allen ein gesegnetes Fest...